"Dumplin'" - GO BIG OR GO HOME

VanaVanille


Willowdean, die von ihrer Mutter nur Dumplin' genannt wird, ist zufrieden mit sich selbst und ihrem Körper, auch wenn dieser nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen mag. Eigentlich macht sie sich auch nichts aus den Worten anderer, bis Bo plötzlich Interesse an ihr zeigt und ihre Selbstsicherheit damit ins Wanken gerät. Aber woher kommt dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein und wer sagt eigentlich, dass ein Mädchen mit Übergewicht nicht am Schönheitswettbewerb ihrer Heimatstadt teilnehmen sollte? 

Ja, es stimmt, Dumplin' sagt dem Schönheitswahn dem Kampf an und präsentierte vor allem auf den ersten Seiten eine toughe, aufgeklärte junge Frau, die sich nicht so leicht einschüchtern ließ. Für mich war also eigentlich sehr früh klar, dass das ein tolles Buch werden könnte. Aber dann kam, was in einer amerikanischen Teenieromanze nicht fehlen darf: ein Typ. Und was darf nicht fehlen, wenn es eine wirklich grandiose Romanze werden soll? Genau! Zwei Typen. Das wäre im Grunde ja auch gar nicht so schlimm, wenn die Autorin hier nicht zwei Vertreter der Sorte "too good to be true" kreiert hätte. Sentimental, einfühlsam und, im Gegensatz zu den meisten weiblichen Nebenfiguren, wahre Engel.

Und ab diesem Moment nahm meine Sympathie für Buch und Protagonistin rapide ab, denn das eigentliche Thema spielte nur noch eine nebensächliche Rolle. Vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet, aber im Grunde war Dumplin' ein ziemlich gewöhnliches Jugendbuch, was sich nur durch seine übergewichtige Heldin unterschied und seine Botschaft mal so eben nebenbei vermittelte. Zwar waren Willowdeans Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter und besten Freundin Ansätze, dem Buch mehr Tiefe zu geben, aber da diese dermaßen schnell abgearbeitet und auch nicht aufgelöst wurden, – wahrscheinlich, damit genug Platz für verkomplizierte Liebeleien bleibt verschenkt der Roman einen großen Teil seines Potentials.

Die komplette Enttäuschung konnten nur Willowdeans neue Freundinnen von mir ablenken, denn sie waren genau das, was ich von ihr als Protagonistin erwartet hätte. Sie waren die eigentlichen Heldinnen des Buches, bekamen dafür aber zu wenig Zeit. Sie waren unvoreingenommen, mutig und leidenschaftlich und berührten mich viel mehr als es die Romanze je gekonnt hätte. Wer es also trotz meiner Kritikpunkte gerne lesen möchte (denn im Grunde vermittelt Dumplin' ja eine vertretbare und positive Einstellung zum eigenen Körper), kann übrigens auch auf den deutschen Erscheinungstermin am 22. März warten.

Lange Rezi, kurzer Sinn...

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Eine positive Einstellung zum eigenen Körper, Diversität und  eine Protagonistin, die eben mal nicht dem typischen Schönheitsideal entspricht.

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Zu viel Lovestory, die oberflächlich bleibt und keine wirklichen Probleme behandelt, weil wir uns im prüden Texas befinden. Zu weiche, männliche Love Interests. Eine Botschaft, die im Grunde grandios ist, aber bei den ganzen, selbstkreierten Liebesproblemen beinahe links liegen gelassen wird.


4 Kommentare:

  1. Hach, um das Buch schleiche ich ja schon länger umher, weil es sich so interessant anhört.
    Leider fällt es dann wohl doch eher in dieselbe Kategorie wie so viele Jugendbücher momentan: eigentlich cooles Thema, wird durch den Fokus auf die Romanze zur Nebensächlichkeit.

    Schade. Aber dann lese ich stattdessen lieber etwas anderes, da ich mir schon sicher bin, dass es mir nicht gefallen wird (warum müssen es auch noch zwei Typen sein?!).

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    1. Ich möchte das Buch auch nicht unbedingt schlecht machen, denn der Gedanke dahinter bleibt ja ein richtiger und anfangs dachte ich mir auch, dass Willowdean der kraftvolle Charakter bleibt, den sie anfangs mimt. Aber naja, dann entwickelt es sich doch wieder in die Romanzenrichtung und das war ja noch nie so meins.

      Bei den zwei Typen könnte ich dich allerdings teilweise beruhigen: es steht ziemlich schnell fest, für wen sie sich entscheidet. Aber genau das macht das Buch auch wieder so berechenbar :/

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  2. Ach schade, dieses Liebesdreieck klingt ja wirklich eher lahm. Der Loverboy bei Ramona ist eigentlich auch too good to be true, aber halt so charmant dabei x) und ich hatte auch das Gefühl, dass die Beziehung da nicht direkt im Fokus steht.
    Kommt denn von dem Countryzeug eigentlich viel vor? Das hat mich immer etwas abgeschreckt ;D

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    1. Na mal sehen, ob mich Ramona dann zufriedener zurücklässt ;D

      Das Countryzeug war eigentlich ganz erträglich. Es ging vielmehr um diese Dolly Parton und ihre Persönlichkeit als um das Universum der Countrymusik.

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